China – ein Land zum Fürchten, die Süddeutsche Zeitung macht Stimmung, wem ist damit gedient?


China will in zentralen Forschungsgebieten zur Weltspitze aufschließen, unerhört!

Oder ist das Unerhörte, dass der Benchmark mit den Erfolgen Chinas den Westen, die EU sehr alt aussehen läßt? Wenn eine langfristige Strategie erfolgreich verfolgt wird, wenn Corona niedergewzungen wurde, wenn Bauwerke termingerecht fertig werden, wenn die Digitalisierung schon längst zu einem zentralen Thema gemacht worden ist. Ist das Rezept dann, Stimmung gegen China zu machen? Ich glaube nicht.

Man kann Dinge in China nicht gut finden, sicher

Wohl jeder wird zustimmen, dass die chinesische Auffassung von Überwachung der Bevölkerung oder die Art, wie man chinesische Enklaven "einzugemeinden" sucht, mit unseren Werten nicht kompatibel sind. Aber eben vor dem Hintergrund unserer Werte, nachdem wir 300 Jahre daran gearbeitet haben und relativ reich und gebildet sind. Die Geschichte des Westens legitimiert ihn wahrlich nicht den Moralapostel zu spielen. Europas Werte sollen klar und deutlich zum Ausdruck gebracht werden. Wir glauben es sind die Richtigen und dürfen dies auch deutlich vertreten. Nur werden wir uns bequemen müssen, so wie es Papst Franziskus jetzt im Iran zelebriert hat, andere "Religionen" entsprechend zu respektieren. Auf dem Feld der Religion hat sich der Katholizismus das Missionieren als nicht zielführend doch schon längst erfolgreich abgewöhnt.

Zeitungen, auch die Süddeutsche haben primär die westliche Brille auf, das reicht nicht, denke ich.

Chinas Geschichte könnte man auch von eine lange Kette von Hungersnöten her lesen, also von deren Urängsten her. Darum ist die chinesische Küche auch so ungeheur vielfältig, alles was essbar war wurde genutzt. Wenn man anerkennte, dass es eine Mega-Herausfordrung ist, 1,4 Milliarden Menschen satt bekommen und friedlich und harmonisch zusammen leben zu lassen, dann könnte man für Chinas gegenwärtiges Werte-Ranking etwas mehr Verständnis aufbringen.Als der Vater des Kapitalismus lebte, Adam Smith, betrug die Weltbevölkerung 790 Millionen.

Kein friedliches Zusammenleben mit China möglich?

Wie ist denn die Lage? Wie in einer Familenaufstellung, betritt ein neues Familienmitglied den Kreis der "superpowers". Das verändert die Position aller andern. Macht Unruhe. Sollten wir glauben, die Methoden des 19. und des beginnenden 20. igsten Jahrhunderts seien die Mittel der Wahl, wird es ein Disaster geben. Dieses neue Miteinander-Auskommen, ist keine Sache die man den Generälen im Pentagon überlassen solle, wie die Süddeutsche insinuiert. Europa, die EU hätte das Modell, für ein Zusammenwirken von Staaten im Vertag von Lissabon. Jedenfalls so ähnlich.

Ich vermute, dass China eine Koexistenz mit unserem System sehr wohl respektieren würde. Allerdings: Da die Lebenswirklichkeit eher weniger für die Selbstbeschränkung von Macht im Außenverhältnis zu anderen spricht, ist Wachsamkeit, legitim, ja ein Muss. Also ist Wachsamkeit bzw. das Vertreten eigener, legitimer Interessen durchaus angebracht, bei gleichzeitigem, glaubwürdigem Verständnis für die Interessen des Partners. Es ist keine gute Idee, denke ich , heute "Gleichheit" immer insgeheim als die eigene Überlegenheit zu denken wie im kalten Krieg das Pentagon (K.Niemann). China, wie die Sowjetunion 1984 "zu Tode rüsten", wie es Reagan erfolgreich machte, wird heute und mit China nicht funktionieren. Abgesehen davon, dass das doch völlig gegen unsere Werte wäre?

Was China so gefährlich macht?

Sein Militär, heute? Nein! Sondern: Es gelingt ihm im Moment alles das dem Westen nicht gelingt. Angefangen von der termingerechten Fertigstellung von Mega-Bauvorhaben bis zur Corona Bekämpfung und der Behandlung von Entwicklungsländern. Und vor allem, bei der Einhaltung kluger Langfristpläne. Die Langfristigkeit politischen Handelns, die wir gerade in der EU so vermissen. So einfach ist das. Chinas Erfolge sind allzuoft der Spielgel für des Westens Defizite. Das ärgert „uns“.

Sind Chinas Entwicklungs-Zielsetzungen zu kritisieren?

Es ist nicht nachzuvollziehen, wenn die Süddeutsche China's Planungen nur negativ darstellt, es verwerflich, ja bedrohlich findet, dass dieses Land mit seinen 84 Millionen eingeschriebenen Studenten, in vier bis sechs Feldern Weltspitze werden will. Wie einfältig. Uns gelingt es ja nicht mal, bei der Digitalisierung mitzuhalten! „Wir" haben doch den Spruch erfinden „Stillstand ist Rückschritt“. Das mache China so gefährlich? Unsere eigene Eigenbrötelei oder Unfähigkeiten, die am Benchmark China eben ganz transparent werden. Da passt doch die Schelte vom 16.03.2021 der Süddeutschen für die Union, sie seien visionslose Verwalter. Visionen sind nur gut, wenn man sie selber hat - und realisiert!

Was erlaubt sich China da militärisch! Sie rüsten auf!

Und dann tue China „gefährliche“ Dinge als neue Großmacht. Nur, die andere, die USA vor allem, haben das vorgemacht: Flagge zeigen auf den Weltmeeren. „The Great White Fleet“ von Theodore Roosevelt 1907, die zur Demonstration der amerikanischen Seemacht gedachte Flotte, die zu Demonstrationszwecken alle wichtigen Welthäfen angelaufen ist. In Wikipedia nachzulesen! Und „Aufrüsten“ ein Fremdwort für die USA? Wohl eher nicht.

Die Furchtbaren der jüngeren Weltgeschichte...

Im 19 Jahrhundert war England zum Fürchten, es beherrschte die Welt und die Innovation. Nach dem ersten und nach dem 2. Weltkrieg waren die USA zum Fürchten und sind es heute noch – aus Sicht der Entwicklungsländer oder der muslimischen Welt. Sie führten sogar Kriege, um jene zu bestrafen, die es wagten den amerikanischen way of life in Frage zu stellen (H.Kissinger). Ja man führte Krieg basierend auf erlogenen Bedrohungs-Szenarien, Irak. Dort und in Afghanistan sollen 500 000 Menschen, überwiegend Zivilisten, umgekommen sein. Im Namen welcher Ordnungsvorstellungen, seit den Zeiten des Krieg in Vietnam, wem zum Nutzen? Zur Verteidigung des „Westens“: Sturz von Mossadegh und Allende, wirklich Taten im langfristigen „westlichen Interesse“? Oder das Sykes-Picot-Abkommen? Ich denke nein.

In den 1980 iger Jahren herrschte Heulen und Zähneklappern vor den Japanern. Schon vergessen.Und heute?

Bleiben wir mal ganz nüchtern,

der Westen war bisher, Kolonialismus inclusive, ein Monster zum Fürchten für den Rest der Welt. Und das wird uns noch beschäftigen, die Identitätsdiskussion und Black lives matter sind erste Vorboten. Der Westen war bisher aber auch der Quell unglaublicher sozialer und technologischer Innovationen, ein überwältigender Beitrag zur Weltzivilisation. In ihm steckt wirklich die Kraft es anders zu machen, nur muss er die Sichtweisen des 19. Jahrhunderts endgültig hinter sich lassen. Gegen China's Ausstrahlung kann man nur mit Erfolgen bestehen, nicht mit Rüstung, denke ich.

Nur Einigkeit macht stark:

Der erste Weltkrieg war trotz der ungeheuren materiellen Überlegenheit der Alliierten sehr lange unentschieden. Das Blatt wendete sich in dem Moment, als sich die Alliierten zur einheitlichen Führung durchgerungen hatten. Wenn heute die EU und der Europäische Rat, nicht in der Lage sind, die Kräfte und Potentiale der EU-Länder so zusammenzuführen, dass „wir“ Spitze bleiben, dann beklage man sich nicht über China, wenn ihm das gelingt. China durchlebt nun eine Phase der koordinierten Umsetzung einer völlig vernünftigen - oft auch nicht zimperlichen - Langfriststrategie. China tut nur, was die USA, der Westen immer schon als Unternehmungsgeist priesen. China tut dies (bisher) deutlich friedlicher.

China hat genügend Herausforderungen im Lande. :

Das Beschäftigungsdilemma:

Zwei Zahlen sollten zu denken geben: 11 Millionen Arbeitsplätze mehr durch 6,5 % mehr Wachstum. Das bedeutet, dass 11 Millionen Arbeitsplätze ein Beschäftigungswachstum von ca., 1,5% bedeutet. Und 0% oder gar weniger Beschäftigungswachstum , kann sich die Partei nicht leisten, ist zu vermuten. Wenn man weiter bedenkt, dass von den 775 Millionen Beschäftigten 2020 25% noch in der Landwirtschaft arbeiteten und dieser Teil durchaus auf 5% abschmelzen wird, dann muss die chinesische Führung in den nächsten 10 Jahren weitere 155 Millionen Arbeitsplätze schaffen. Und das ist vielleicht der relevanteste Hintergrund vor dem man Chinas Politik erklären sollte, denke ich. Wenn das Wachstum nur mehr bei einem Prozent liegen wird, wie in der EU, wird es dort ein riesiges Beschäftigungsproblem geben.

Das Rohstoffdilemma und Energie-Dilemma:

Es könnte sich vorher sogar ein Ressourcenproblem stellen, da selbst ein abgespeckter EU-Lebensstandard für 1,4 Milliarden Menschen, die Rohstoff- und Energiereserven völlig überfordern würde. Chinas Geschichts-bewusstsein reicht 3 700 Jahre zurück. Das macht selbstbewusst. Wir werden, wollen wir keine Wohlstands-Kriege führen, Reich gegen Arm, was Warren Buffet für möglich sieht („… and we will win“), Kooperationsmodelle finden müssen.

Das Umweltdilemma:

Wie kann der Ausstoß an Umweltschädlichem, das die Sicherung eines mäßigen Lebensstandards für 1,4 Milliarden Menschen mit sich bringen muss, beherrscht werden?

Überleben für alle bedeutet Kooperation in neuen Maßstäben

Daher ist doch die einzige Frage, welche Regierungs- bzw. Kooperationsmodelle können Frieden, tragbares Klima und etwas Wohlstand für alle am besten garantieren. Stimmung gegen jenen Partner zu machen, der der wichtigste sein wird, ist gar nicht aufgeklärt. Unser Verhältnis zu China von Pentagon-Generälen gestalten zu lassen, ist das die richtige Option? Ja, sie sollen Informationen geben, gut.

China ist zur Herausforderung gewachsen und wird es bleiben,

als Beispiel für erfolreiches Wirtschaften, als Konkurrent um Rohstoffe, Märkte und Energie. Als Klimabeeinflusser. Das sind Herausforderungen für den Westen, die es friedlich zu lösen gilt . Die Aufgabe der Politik der nächsten 20 Jahre, denke ich.

Chinesisches Selbstverständnis:

„In poor countries, money is important, in rich countries people are important”. Das ist zwar nicht so wie wir das gerne sehen, aber die Situation.

1996 auf meiner ersten Chinareise, fragte ich meine Dolmetscherin, es sei doch unmöglich allen Chinesen westlichen Lebensstand zu geben. Antwort: Was glauben Sie eigentlich, wir arbeiten auch acht Stunden am Tag und haben dasselbe Recht auf guten Lebensstandard wie Sie! Probleme wird die Technologie lösen. Was sagt man dann darauf?

Fazit:

Ist Warren Buffets Spruch die Losung für die Zukunft? Für mich nicht. Dagegen gefällt mir ein anderer us-amerikanischer Wahlspruch viel besser "... if you can't beat them, meet them..."

Was ich als Stimmungsmache bezeichne, sind präsentierte Zitate (SZ 12.03.2021) wie: "die immer striktere Ausrichtung der chinesischen Wirtschaftspolitik am Ziel wirtschaftlicher und technologischer Unabhänigkeit erschwert perspektivisch die globale Zusammenarbeit". Die Abhängigkeit vom Rest der Welt solle reduziert werden um z.B. die Auswirkungen von Technologiekriegen mit den USA deutlich abzufedern. Mit Angst wird dargestellt, dass sich China nun verstärkt auf die Förderung des heimischen Marktes konzentrieren wolle. Eine Bedrohung?

Dem Land Perspektiven zu geben und Probleme vorausschauend anzugehen, ist von der Staatsführung China's verantwortlich gehandelt, denke ich. Die USA, das Land das sich selbst gerne als jenes der "unbegrenzten" Möglichkeiten sieht, Elon Musk z.B., kritisiert China's Aufwärtsdrang?

Ach, und wie war das gleich mit der EU- Abhängigkeit von chinesischen Medizinprodukten, die es zu unterbinden gilt ...

Deutschlands Exportmarkt China: Von Abschottung ist hier nichts zu sehen

Wichtige Export-Destinationen
China wird wichtigster Handelspartner Deutschlands. Abschottung, wo?

P.S.: Mir ist bewußt, dass ich die Süddeutsche kritisiere. Aber nach meiner Meinung machen auch Medien Stimmungen. Und die Süddeutsche macht es sich da doch etwas zu einfach, denke ich. Missionieren geht nicht mehr. Bestenfalls Vorbild. Wir sind zu einer friedlichen Partnerschaft "verdammt". Zum Vorteil letzlich aller. Und dieses Pflänzchen sollte man hegen.

Quellen:

Opferzahlen:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/163882/umfrage/dokumentierte-zivile-todesopfer-im-irakkrieg-seit-2003/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/163882/umfrage/dokumentierte-zivile-todesopfer-im-irakkrieg-seit-2003/

https://de.wikipedia.org/wiki/Irakkrieg

Handelsdaten: eurostat comext

Dr. Johannes Rauter 28.03.2021