A Unionskunde (5) EU im Weltmaßstab


In wichtigen Aspekten, nicht in allen, ermöglicht uns erst der Vergleich mit jenen, die wir uns bewußt oder unbewußt als Maßstab nehmen, eine wichtige Ortsbestimmung

Die Bedeutung einer Region hängt von vielen Dingen ab: Ressourcen, Fläche, Marktgröße, innovative Dynamik und nicht zuletzt auch von den Wegen der Entscheidungsfindung. Und ganz entscheiden, bei den dynamischen Größen, vom Trend der Entwicklung.

Wie steht die EU in der Welt, Stärken und Schwächen

Bevölkerung: Die EU macht ca. 6,6 % der Weltbevölkerung aus, Tendenz abnehmend.

Handel: Der Welthandelsanteil der EU beträgt noch 15%, Tendenz abnehmend.

Entscheiden: Die EU hat heute 28 Entscheidungszentren, unsere wichtigsten Mitbewerber, China, USA und Russland nur eines! Mit dramatischen Folgen für die Reaktionsfähigkeit der EU. Eine gewaltige Schwäche - bei der es aber nur an den EU Mitgliedern alleine läge, das mit einem Federstrich zu beenden! Das nationale Hemd ist uns eben noch näher … .

Rohstoffe: Die EU ist anders als die USA und Russland rohstoffarm.

Verteidigung: Alleine der Wildwuchs (28 Spieler) macht die Sache teuer und inneffizient. Man beginnt ganz langsam darüber nachzudenken!

Begabungspotential: Hat das zweitgrößte Begabungspotential der Welt, nur China hat ein deutlich höheres. Es zu nutzen, dazu fällt der EU noch herzlich wenig ein.

Die - fast - größte Kaufkraftkonzentration der Welt: auf absehbare Zeit, das ist Verhandlungsmacht! EU, der attraktivste Handelspartner. Und TTIP darf am Chlorhuhn scheitern?

Staatsverwaltung: Die EU ist nur in Teilen effektiv verwaltet, allein die Fragmentierung auf 28 Staaten setzt dem engere Genzen. Und der Wille vom anderen zu lernen ist höchst begrenzt. Das schadet der Wettbewerbsstärke der EU Länder erheblich, gerade was Investitionen angeht.

Demographie: Die EU ist im Vergleich zu den großen"Mitbewerbern" (hoffnungslos?) überaltert.

Krasser Mangel an Risikokapital: Zu wenig kreative Projekte? Falsche Besteuerung der Start-ups?

Die Welt
EU in der Welt

Wo ist die EU?

Bedarf es da noch weiterer Argumente für eine Union die eng zusammensteht und mit einer Stimme im Weltrahmen auftritt, wenn es um die Behauptung nach außen geht? Die Position der Frau Mogherini ist da keineswegs die Lösung.

Eigentlich reicht diese um allen zu sagen: Hier hilft nur mehr Bündelung der Kräfte und die Einsicht, dass man die EU Mitglieder mit weniger Entwicklungschancen nicht ausgrenzen darf, nach dem Motto: Fördern aber ganz klar auch fordern.

Die wichtisten Botschaft daraus: bleiben wir realistisch! Bauen wir die Stärken aus, Begabungspotential, Kaufkraft und das Beispiel eines regelbasierten Kooperationsmodells. Versuchen wir die Schwächen abzubauen. Die Union weckt immer wieder unrealistische Erwartungen. Höre man auf damit, sei man ehrlich!

Die Welthandelstendenzen entsprechen der regionalen Dynamik, Schwellenländere wachsen schneller

Welthandel
Tendenzen bei den Großen
Quelle: eurostat comext

Dr. Johannes Rauter 21.04.2019