Beiträge zu Wirtschaft und Gesellschaft

EU am Boden? - Independence day! Jetzt!


Ist uns nationale Eigenbrötlerei tatsächlich wertvoller als der Schutz davor, Kolonie Russlands zu werden?

Die Bedrohungen der EU scheinen überwältigend. Der Schrei „... aber jetzt müssen wir“, klingt auch aus Davos. Konkrete Handlungen der Beteiligten? Nicht zu sehen.Die Frage ist doch, Spielball der Mächte und damit abhängig von autoritären Systemen oder einer Plutokratie mit der Macht gigantischer Vermögen zu werden. Das Problem, Nationalismus verhindert die gezielte Souveränitätsabgabe, um Stärke glaubhaft machen zu können. Also die EU bleibt der Watschenmann von Trump und Putin? Wollen wir EU das wirklich?

Wie es besser werden könnte, hier akademische Vorschläge

  1. Eine gemeinsame europäische Armee. Die Vernachlässigung der Sicherheit ist einer der größten Konstruktionsfehler der EU. Im Rahmen der 27 völlig unrealistisch, wg. Einstimmigkeitsforderung.

  2. „Vereinigte Staaten von Europa“ (Kermani). Direkt gewählte Kommissionspräsidentin als europäische Regierungschefin. Im Rahmen der 27 völlig unrealistisch, wg. Einstimmigkeitsforderung.

  3. Nur mit einer funktionierenden EU lässt sich das freiheitliche europäische Lebensmodell verteidigen. Dafür muss das Einstimmigkeitsprinzip in ein Mehrheitsprinzip umgewandelt werden. Im Rahmen der 27 völlig unrealistisch, wg. Einstimmigkeitsforderung

  4. .

Nein, beginnen wir bei den Defiziten

Welches sind die strategischen Defizite Europas, gegenüber den „Blöcken“?

  1. Rohstoffarmut und fehlende Energiequellen. > >USA & China& Russland.
  2. Fehlende militärischen Kapazitäten im erdnahen Weltraum, > >USA, Russland, China.
  3. Keine wichtige digitale Infrastruktur in europäischer Hand > > USA.
  4. Ein zu kleinteiliger Kapitalmarkt, der die Mobilisierung von Kapital verhindert..

Wo ist das geopolitischen Defizit der EU?

EU – Verträge, die eine geopolitische Kraft „EU“ schlicht verhindern. Die sehr großen vorhandenen Ressourcen sind über viele Entscheidungsträger verstreut, können so nicht wirksam werden.Und damit entsteht eine mentale, selbstgemachte Verzwergung.

Kein Wunder 72% der EU Länder sind kleiner als Bayern. Wir betrachten die Welt immer aus der Froschperspektive.

Zudem sind die Wohlstandsunterschiede enorm, gemessen am BIP Pro Kopf: vom ärmsten zum reichsten EU Land (ohne Luxemburg) Faktor 6,4 in den USA (hier ohne Delaware) beträgt der Faktor nur 2,2! Auch das macht eine gemeinsame, vernünftige Willensbildung unter 27 de facto unmöglich.

Ungenutzte, weil zersplitterte Potentiale ...

Bevölkerung gesamt 2024 in Millionen: EU + UK 520; USA 340; China 1 409.

Bevölkerung mit Hochschulausbildung 2024 : EU + UK: 140 Millionen; USA 97; China 160.

Bruttosozialprodukt 2024 in Bil. €; EU + UK 21,4, USA 29,3 $, China 18,6 $.

Forscher (lt. UNESCO) 2023/24 in Mil.: Europa 2,5; USA 1,7; China 3,0.

Der Riese Gulliver wird von den vielen kleinen Liliputanern gefesselt, den vielen kleinen nationalen Kantönligeistern, will mir scheinen …

Also gilt es folgende Maßnahmen mit entsprechenden Budgets zu setzen:

  1. Die geopolitische Union herstellen

    Neben dem Euro-Raum (an dem auch nicht jeder teilnehmen muss) und dem Schengenraum einen neuen geopolitischen Raum innerhalb der EU gründen. UK,Frankreich,Deutschland und (später) Polen und Italien stellen ihr militärisches Potenzial unter eine Führung und gestalten die Außenpolitik soweit sie geopolitische Bezüge hat, strikt einheitlich..
  2. Eigentlich würde Artikel 28 EUV („Operatives vorgehen der Union in Sicherheitsfragen“) und Art. 326-329 AEUV („Verstärkte Zusammenarbeit“) völlig ausreichen. Aber sie sind wiederum so verklausuliert, dass im Ernstfall - nichts geschehen muss. Das ist die Absurdität der Lissabon-Verträge, die alle offenbar gerne hinnehmen.

  3. Unabhängigkeit bei digitalen Infrastrukturen

    Aufholjagd in 5 Jahren, bedeutet großes F&E Engagement entsprechender Firmengruppen Viel stärkere Poolung und Vernetzung der Europäischen Forschung – das könnte die EU heute.

  4. Einen gemeinsamen Kapitalmarkt

    Aus dem riesigen Geldvermögen der Europäer muss das heutige Risikokapital verfünffacht werden.Die EU könnte das, aber... . Hier stehen die Befürchtungen der Reichen vor den Armen im Wege. Wieder die Frage: Was wollen wir!
  5. Die Gegenkräfte sind natürlich vorhanden:

    Diejenigen, die kleinteiligen Nationalismus höher werten als eine Unabhängigkeit von Russland. Und von jenen, die fürchten, sie müssten finanziell zu große Opfer bringen. Und von jenen, die nicht begriffen haben, dass in einer Zeit, in der es den Starken wieder gelungen ist, die regelbasierte Welt teilweise außer Funktion zu setzen, jetzt wieder die eiserne Option „Butter oder Kanonen“ gilt, egal ob uns das gefällt oder nicht.

    Die große Verführung, die phäakische Ader zu viele Europäer ..

    Es bleibt natürlich die große Verführung, lieber beherrscht aber dafür sicher und satt …

    Disruption ist das Gebot der Stunde

    Europas große strategische Achillesverse ist zu beseitigen. Die Fesseln der Lissabon-Verträge zu zügigem geopolitischen Handeln mussen zweifach aufgebrochen werden. Durch eine geopolitische kleine Ländergruppe mit einheitlicher Entscheidungsgewalt zu Militär und geopolitischer Aussenpolitik.Und damit Abschaffung der Einstimigkeit in diesen zentralen Fragen.

    Ein Prüfstein auf diesem Wege ist die Unterstützung der Ukraine. Sollten die US Amerikaner die Unterstützung abziehen, dann wäre die Ukraine – bei der bisherigen Haltung der Europäer – verloren. Trump hätte sich mit Putin geeinigt, könnte Sanktion aufheben, gute Geschäfte für seine Familie machen und sicher den Nobelpreis für den Frieden bekommen. Wenn das keine Versuchung ist. Ein Wunder, dass er bisher noch nicht diesen Weg gegangen ist.

    Jemand müsste die Initiative und Führung übernehmen, vielleicht im Wechsel alle fünf Jahre. Das ist die Frage für Sein oder nicht Sein … Sachlich musste Deutschland übernehmen, das dürfte allerdings an der – trotz EU – schwelenden Rivalität mit Frankreich nicht möglich sein …

    Übertrage man die Führungsrolle doch an Großbritannien – die wissen wie man sich Diktatoren entgegenstellt… Auch eine deutsche Wiedervereinigung war mal „völlig ausgeschlossen“ ….

    Das zersplitterte Potential Europas – zumindest in seinem Kern - zu einen, das ist die Aufgabe. EUropas Zukunft: als defensiver, globaler Faktor die globale Teilhabe sicherstellen um damit in Freiheit und selbstbestimmt leben zu können. Das ist die Aufgabe zukunftsorientierter Europäischer Politik!

    Dr.J. Rauter 26.01.2026

    Dr. Johannes Rauter 04.03.2026